Mit Authentizität Algorithmen überzeugen

29.05.2019 Djulijana Zekic

Von: Elke Wüst - 24.05.2019

Im Zeitalter der künstlichen Intelligenz sollte Ihnen bewusst sein, dass das Video-Interview möglicherweise von einer Computersoftware und nicht von Menschen ausgewertet wird. So werden bereits im Rahmen der Interviewauswertung bei manchen Unternehmen wie z.B. Unilever die Kandidatinnen und Kandidaten hinsichtlich Gestik und Mimik gescreent.
(Quelle: handelszeitung.ch) Die möglichen Anwendungsgebiete der dabei eingesetzten Software sind vielfältig und erfahren immer neuere Dimensionen:

Anhand eines Gefühlskatalog analysieren beispielsweise die Algorithmen des KI-Startup-Unternehmens Hirevue 10.000 Gesichtsausdrücke und die Verwendung von positive Verben wie «kann» und «will» anstatt negativen Formen wie «muss» und «kann nicht». (Quelle: handelszeitung.ch)

Das Programm des Supercomputers IBM-Watson kann mit vielfältigen KPI- (key performance indicators) Daten wie z. B. Projekterfahrung gespeist werden. Damit ist die Software exakt und sehr schnell in der Lage, Lebensläufe und Motivationsschreiben zu studieren und mit den Jobanforderungen abzugleichen. Mit der schnellen Erfassung und Auswertung grosser Datenmengen, kann der Bewerbungsprozess im Rahmen der Vorauswahl deutlich verkürzt werden. (Quelle: experteer.de)

Dabei zieht (Dr.) Watson sogar Rückschlüsse aus gewählten Formulierungen und bewertet, ob der Inhalt ehrlich gemeint ist.

Softfactors AG hat eine Plattform für Unternehmen konzipiert, mit dem Ziel einen Abgleich zwischen der Persönlichkeit (Charaktereigenschaften und Talentpotenzial) fachlichen Qualifikationen sowie sozialen Kompetenzen von Bewerberinnen und Bewerbern und den Anforderungen einer Stelle vorzunehmen. Anstatt der Einreichung von CV und Motivationsschreiben absolvieren Interessenten ein Online-Assessment mit Persönlichkeitsanalyse, Leistungstests und Übungen. Der Recruiter erhält in kürzester Zeit als Ergebnis eine Kandidatenliste. (Quelle: softfactors.com)

Sicher gibt es ein Für und Wider bei der Beurteilung des Einsatzes von KI im Recruitingprozess. Viel wichtiger ist aus meiner Sicht das Bewusstsein über die digitalen Veränderungen in der Recruitingwelt und die möglichen Wirkungen von Handlungsweisen und Äusserungen.

Meine Empfehlungen:
⦁ Lassen Sie sich durch die aktuellen Entwicklungen nicht verunsichern. Antizipieren Sie vielmehr die sich neu ergebenden Chancen und üben Sie im Vorfeld die digitalen Auswahlvarianten.
⦁ Bleiben Sie authentisch und zeigen Sie ehrliche Begeisterung für das betreffende Tätigkeitsgebiet. Vertrauen Sie Ihren Stärken, Kompetenzen und Erfahrungswerten und benennen Sie diese wahrheitsgemäss u.a. mit den entsprechenden Begriffen aus der Stellenbeschreibung, um ggf. auch dem Algorithmus die Passung zu signalisieren
⦁ Nutzen Sie unser CSC-Beratungsangebot.

Unabhängig davon, ob und welche Software im Bewerbungsprozess eingesetzt wird, gilt überwiegend nach wie vor der Grundsatz: Bei der finalen Entscheidung hinsichtlich Stellenbesetzung hat (noch) der menschliche Recruiter und nicht der Algorithmus das letzte Wort. 

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Zur Autorin: Elke Wüst hat mehrjährige Erfahrung in der Finanzbranche und berät die HSG-Studierenden zu verschiedenen Karrierethemen.

"Es ist für mich eine Bereicherung und grosse Freude, Studierende und Berufserfahrene auf ihrem Karriereweg zu begleiten und ihnen hilfreiche Tipps und Ratschläge rund um den Bewerbungsprozess (z.B. Karriereorientierung mittels Einsatz von Coachingtools, Tipps für die Erstellung von CV und Motivationsschreiben, (Video-) Interviewtraining) im Rahmen von Einzelberatungen und Workshops zu geben. Gerne gebe ich dabei meine Erfahrungswerte aus dem Finanzsektor weiter und behalte aktuelle Recruitierungstrends und Veränderungen der Arbeitswelt im Blick."